Geld, Zeit, Zins und Freiwilligenarbeit

[Begriffe sind richtig zu interpretieren!]


Weil wir über den Zins das Geld an die Zeit gekoppelt haben, dürfen wir uns nicht wundern, wenn uns die Zeit davonrennt. Zeit sparen, keine Zeit haben, Zeit vergeuden und zahlreiche andere Begriffe machen in unserer Gesellschaft erst Sinn, seit die Zinsmechanik das Geld in alle Lebensbereiche der Menschen gebracht hat.

Lebensbereiche sind charakterisiert durch Zeitabschnitte. Ursprünglich und in der ganzen Natur bedeutet Zeit nichts anderes als Leben. Zeit ist Leben. Die Gleichung "Zeit ist Geld" erhielt ihre Gültigkeit erst seit der Kopplung des Geldes an die Zeit über den Zins. Deshalb gilt heute, dass Zeit nicht mehr nur Leben, sondern auch Geld bedeutet und wir müssen immer wieder einen Kompromiss machen zwischen Geld und Leben (und nicht etwa zwischen Geld und Zeit, wie wir dies seit Generationen glauben).

Erst seit Zeit auch Geld bedeutet, ist es möglich, dass man statt Geld verlieren Zeit verlieren kann, statt Geld verschwenden Zeit verschwenden kann und - besonders eindrucksvoll - keine Zeit haben kann, obwohl niemand bezweifeln wird, dass jemand der dies sagt zweifelsfrei lebt, also sehr wohl Zeit hätte.

Wenn Sie einem Eskimo oder Ureinwohner Afrikas sagen, sie hätten keine Zeit, wird er annehmen, sie seien nicht im Besitz einer Uhr. Dass Sie keine Zeit haben, also aus der Optik eines Ureinwohners nicht leben, das wird er Ihnen nicht glauben - er sieht ja, dass Sie leben.

So ist es denn auch mit der Freiwilligenarbeit, welche wir jetzt wirklich nach Ecken und Kanten ausgehend von einer UNO-Kampagne hin- und her diskutiert haben, ohne klare Antworten zu finden. Ganz diffus haben wir rund um dieses Thema diskutiert. Niemand hat gemerkt, dass wo freiwillig gearbeitet wird auch Empfänger für diese freiwilligen Arbeiten hingehören. Oft sind dies heute nicht mehr von naturkatastrophen geschädigte Menschen - es sind heute immer mehr wirtschaftsgeschädigte, also Menschen welche mit unserem hausgemachten Phänomen Wirtschaft nicht mehr umgehen können: Working Poor, KMU's, Arbeitslose oder Menschen die ganz einfach dem zunehmenden wirtschaftlichen Druck nicht mehr gewachsen sind und krank wurden.

Erwartet die UNO, dass diese Menschen nun auch noch in beide Hände klatschen, weil andere denen es gut geht ihre Freizeit für sie opfern ? Eine Freizeit, welche beispielsweise working-poor trotz intensiven Bemühungen nicht möglich ist, weil sie trotz viel Arbeit zu wenig haben zum Leben.

Schon der Begriff "Freiwilligenarbeit" ist irreführend und impliziert, dass Menschen welche wirtschaftlich tätig sind "unfreiwillig" arbeiten. Freiwilligenarbeit sollte geldfreie Arbeit heissen. Dieser viel konkretere Begriff bringt uns dann auf neue Antworten.

Freie Zeit bedeutete früher einmal "geldfreie" Zeit. Es gab also Zeiten, in welchen zahlreiche Lebensbereiche der Menschen vom Geld- und Zinsensystem nicht durchzogen waren. Nachdem mit Kultur, Sport und Vereinsleben generell (welcher Verein hat heute nicht Geldprobleme) nun wirklich alle Lebensbereiche mit Geld bewertet werden, bleibt als letzte Bastion der geldfreien Arbeit noch die Privatarbeit in der Familie. Diese soll nun durch die Gründung von Kinderkrippen auch definitiv zur bezahlten Arbeit gemacht werden. Dumm sind dann also nur noch diejenigen, welche ihre Kinder selbst erziehen, was die Familien bereits heute zum Armenhaus unserer Gesellschaft degradiert hat.

Es scheint also nur einen Weg zu geben: Alle Lebensbereiche müssen vom Geldsystem durchzogen werden, damit alles Leben dem Geldsystem unterworfen wird. Ein Zurückdrehen der Spirale ist nicht realistisch.

Oder doch ? Ich denke, dass wir hier nochmals über die Bücher gehen sollten !

Muri Ivo
Unternehmer
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