Ansatz für eine Synthese zwischen Kapitalismus und Kommunismus

[Das auf der Idee der Alchemie basierende
Geldsystem ist die vierte Staatsgewalt in einem demokratischen Rechtsstaat und gehört neben Exekutive, Legislative und Judikative unter demokratische
Kontrolle]


Wenig Zeit nehmen wir uns bei allem Tätigsein, um zu überlegen, was wir beim Wirtschaften eigentlich tun. Wenig ist uns mehr bekannt über Sinn und Zweck des Wirtschaftens. Die Gewinnmaximierer haben oberhand gewonnen über die tugendhaften Nutzenmaximierer. Dem Geldkreislauf wurde Einlass in die privatesten Gemächer unserer Gesellschaft gegeben. Sportliche, politische, kulturelle, kirchliche und familiäre Privaträume wurden handstreichartig vom Profitdenken überrollt und wir stellen konsterniert fest, dass immer weniger Freiwilligenarbeit geleistet wird.  

Es leuchtet ein, dass eine Wirtschaft, welche von Working-poor und Arbeitslosen als existentielle oder gar letzte natürliche Bedrohung empfunden wird, ihrem Sinn entfremdet ist. Ebenso einsichtig ist jedoch die Tatsache, dass die Gesetze der Wirtschaft vom Menschen gemacht sind - wir ihnen also nicht einfach, wie den Naturgewalten, hilflos ausgeliefert sein müssten. Auch darf man voraussetzen, dass sich Politiker, Unternehmer und Gewerkschafter um echte Lösungen bemühen. Echte Lösungen für gesellschaftliche Probleme, wie beispielsweise für eine nachhaltig finanzierbare Altersversorgung, zeichnen sich jedoch nicht ab.  

Wenn wir jedoch aus Kostengründen überall sparen (im Gesundheitswesen bei den Leistungen, bei den Gemeinden durch Fusionen und Demokratieabbau, in den Unternehmungen durch Stellenabbau und Fusionen) und damit die Armutsprobleme und das Sozialgefälle noch mehr anheizen, darf man mit Recht vermuten, dass hier die Gesamtzusammenhänge nicht mehr verstanden werden. Es werden die falschen Fragen gestellt und daraus folgend die falschen Lösungen angestrebt. Welche Ideologien versperren uns den Blick auf echte Lösungen ?

Die letzten 150 Jahre waren geprägt durch den Klassenkampf zwischen Kommunismus und Kapitalismus.

Die Geld-Sparerei, mit welcher der Kapitalismus in den 90-er Jahren dem Kommunismus zeigen wollte, dass er das viel effizientere Wirtschaftssystem sei, hat bei Analyse mittels Vollkostenrechnung definitiv gezeigt, dass dies der Weg nicht sein kann. Wenn wir nach einer Synthese suchen, zwischen Kapitalismus und Kommunismus, müssen wir nach dem ursprünglichen Sinn des Wirtschaftens fragen und uns überlegen, weshalb dieser Sinn in beiden Wirtschaftssystemen (Wirtschaftsideologien) immer wieder verwässert oder verfremdet wurde.

Gehen wir vom ursprünglichen Sinn des Wirtschaftens aus, so stellen wir fest, dass es in Urzeiten darum ging, dass Menschen in einer arbeitsteiligen Gesellschaft sich gegenseitig Nutzen stiften. Zunächst geschah dies in Form einer Tauschwirtschaft, welche später aus praktischen Gründen durch eine Geldwirtschaft abgelöst wurde. Eine Geldwirtschaft charakterisiert sich (wie in Goethes Faust beschrieben) dadurch, dass eine alchemistische Instanz (Notenbank) bestimmt wird, welche das Recht hat, Geld künstlich herzustellen (Banknoten zu drucken). In demokratischen Staaten sind dies mit Vorteil Staatsbanken. Diese sorgen gemeinsam mit privaten Geschäftsbanken dafür, dass das Geld zu jenen Menschen gelangt, welche Nutzen stiften (wirtschaftlich tätig werden) möchten. Aus dieser Geschichte wird klar, dass Geld ursprünglich keinen Eigenwert hatte und seinen Wert nicht etwa durch das Drucken der Noten, sondern erst durch das Erbringen der wirtschaftlichen Leistung erlangte. Um die Wirtschaft steuern zu können und um für die Leistung, künstliches Geld (Tauschmittel) herzustellen belohnt zu werden, wurde der Zins (Zehnten oder Steuern) erfunden. Über den Zins wird das Geld automatisch an sein Quelle gebunden. Deshalb kann die Notenbank den Gang der Wirtschaft steuern (Inflation/Deflation), indem sie der realen Wirtschaft Geld zuführt oder entzieht. Aus dieser Sicht ist verständlich, dass jeder Gewinnfranken, der in einer Bank geäufnet wird, irgendwo durch Nutzen stiften (wirtschaften) in der realen Wirtschaft verdient werden muss, bevor dieser auf die Bank transferiert werden kann. Es war deshalb für unsere Grossväter eine Selbstverständlichkeit, dass die Geschäftsbanken, welche vom Privileg des alchemistischen Produzierens von Noten (Geldschöpfung) und den automatischen Zinsströmen profitierten, sich nicht direkt im freien Wettbewerb mit jenen Unternehmungen einzumischen hatten, welche durch Nutzen stiften am Güter- oder Dienstleistungsmarkt ihr Einkommen erzielen müssen. Den heutigen Verantwortlichen solcher Institutionen sind solche Maximen und wirtschaftliche Zusammenhänge offensichtlich nicht mehr bekannt. Sie tun so, als würden Geldinstitute tatsächlich ein Sozialprodukt erzeugen. Sie glauben berechtigt zu sein, sich in allen Branchen mit eigenen Firmen zu beteiligen (Private Equity).  

Weil die Menschen nun begonnen haben, sich aus Gründen der Bequemlichkeit durch Schaffung von Gesetzen und Erfindung von neuen Finanzinstrumenten (Börse) automatische Geldströme so zu legen, dass sie Geld verdienen können, ohne wirtschaften (nutzen stiften) zu müssen, sind immer mehr Störungen im Geldkreislauf und damit im Wirtschaftskreislauf aufgetreten. In vielen Rechtstaaten wurden durch Gesetze oder Marktmacht (Fusionen) immer mehr automatische Geldströme gelegt, ohne dass für das Geld ein echter Nutzen am Güter- und Dienstleistungsmarkt erzielt werden muss. Durch zunehmende Steuern und Sozialabgaben versucht man die daraus resultierenden Probleme in der Geldverteilung (Armutsgefälle) durch soziale Umverteilung und durch Subventionen zu korrigieren und schafft dadurch noch mehr Ungerechtigkeiten. Sowohl im Kapitalismus als auch im Kommunismus oder in jeder anderen Wirtschaftsform gilt deshalb: Soziale Unruhen entstehen immer dann, wenn eine grosse Zahl der Menschen nicht mehr angemessen profitieren, vom wirtschaftlichen Nutzen den sie stiften (Arbeitslose, Working-Poor, KMU's). Vor allem in südlichen und östlichen Staaten nennt man dieses Phänomen "Kleptokratie". Damit meint man oft ein Rechtssystem, mit welchem irgendwelche Despoten Staatsgelder kleptokratisch (demokratisch organisierter Diebstahl am Bürger) in ihre eigenen Taschen wirtschaften. In den Demokratien Europas läuft über Lobbying eigentlich etwas ähnliches ab, auch wenn es nur schleichend und vielleicht auch weniger tatsächlich der persönlichen Geldbörse von Politikern dient. Damit ist eigentlich schon alles gesagt, was die Synthese zwischen Kommunismus und Kapitalismus betrifft. In beiden Systemen gibt es ein alchemistisches Geldsystem. In einer echten Demokratie ist dieses alchemistische Produktionssystem des Tauschmittels Geld der demokratischen Kontrolle zu unterstellen und zu garantieren, dass alle Menschen über Generationen vom Nutzen persönlich profitieren, den sie stiften. Institutionen, welche Kraft Gesetz oder Marktmacht automatische Geldströme an sich binden dürfen (Zinsen =Zehnten) dürfen sich nicht im Wettbewerb anderer Institutionen einmischen und haben sich an klare antikleptokratische Gesetzte zu halten. Auf diesen beiden Maximen lässt sich eine über Generationen funktionierende Wirtschaft mit maximaler Marktfreiheit leben. Die wirtschaftenden Subjekte sind auf staatliche Instanzen angewiesen, die sich darum kümmern, dass diese Maximen nicht verwässert werden. In einer Demokratie gehört deshalb das Geldsystem neben Exekutive, Legislative und Judikative, quasi als 4. Staatsgewalt, unter demokratische Kontrolle. Wenn linke und rechte Kräfte beginnen, in ihren eigenen Reihen nach kleptokratischen Strukturen zu suchen, dann finden sie die Grundlagen für Lösungen, welche beiden Ideologien gerecht werden. In der konsequenten Ausrichtung der Gesetze nach antikleptokratischen Maximen und im Bewusstsein, dass das Geldsystem in einem demokratischen Rechtsstaat die 4. Staatsgewalt darstellt, können Staaten die richtigen Massnahmen einleiten, um nachhaltig sozialen Frieden zu sichern.  

Muri Ivo
Unternehmer
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