Staatschulden, Demokratieabbau und Geldschöpfung führen direkt in die Access-Gesellschaft

[Über die private Geldschöpfung wollten Neoliberale unsere Demokratie abbauen - Den Staat unter Druck setzen.]

Es ist doch verblüffend. Wie ist es möglich, dass der Staat, welchen wir in unserer Demokratie als oberste Instanz ansehen, verschuldet sein kann - wenn doch gleichzeitig offensichtlich ist, dass die Banknoten, welche in der Notenbank produziert werden (also vom Staat, wie wir denken) heute nicht einmal mehr mit Gold gedeckt sind, so dass jedem klar ist, dass Geldnoten eigentlich nur Papier sind.

Auch ein Laie muss erkennen, dass hier etwas nicht stimmen kann.

Auch vor 150 Jahren, als bei uns die Kantonalbanken gegründet wurden, hat offensichtlich einiges nicht gestimmt. Gottfried Keller aus Zürich setzte sich damals sehr für die Gründung einer Staatsbank (Zürcher Kantonalbank ein). Er verkündete öffentlich: "Wir brauchen diese Staatsbank, um den Wucher zu bekämpfen, den Privatbanken heilsame Konkurrenz entgegenzustellen und den mittleren und kleineren Gewerbestand vor der Ausbeutung durch die in erster Linie auf eigenen Nutzen bedachten Privatbanken zu schützen.» (Zitat von Gottfried Keller). Und heute schaffen wir diese Banken wieder ab, respektive privatisieren sie, als wären die Vorzeichen ganz anders.
Die Kantonalbanken waren es, welche unsere einzigartige und über Generationen gerechte Verteilung der Einkommen in allen Gegenden unseres Landes ermöglichten. Der Sonderfall Schweiz mit seiner hervorragenden direkten Demokratie basiert auf dieser einzigartigen und weitsichtigen Politik unsere Urgrossväter.
Genau diese direkte Demokratie ist noch die letzte Bastion, welche die Neoliberalen unter der Federführung von Walter Wittmann (auch so ein mutiger im Aufbrechen) knacken wollen (siehe Walter Wittmann, Direkte Demokratie, Bremsklotz der Revitalisierung, Verlag Huber, 2001).

Mit aller Gewalt sind wir nun innert wenigen Jahren hingegangen und haben Strukturen zerstört, von denen wir angenommen haben, sie seien überholt (Mut zum Aufbruch) - und die Neoliberalen Kräfte in unerem Land können damit nicht schnell genug vorwärts machen. Wer aus Kostengründen Gemeinden fusionieren will hat nicht gemerkt, dass wir damit unsere Demokratie aushöhlen - nur um des künstlich (alchemistisch) produzierten Geldes Willen. Wäre unser Staat tatsächlich die höchste Instanz, welche Steuern (Zehnten = Zins) erheben darf und Geld schöpfen darf, welches dann auch mit Zins (Zehnten) bezahlt wird, dann könnte unser Staat unmöglich Schulden haben - er müsste systembedingt unverschuldet sein. Alle anderen wären Schuldner und müssten dem Staat Zinsen (Zehnten) bezahlen.
Gegenüber wem macht sich ein Staat schuldig, in einer Geldwirtschaft, welche keine Golddeckung hat ? Doch nicht etwa gegenüber Privaten ? Welche Art Demokratie ist das ? Ist das nicht eher ein Feudalsystem ?

Bei der Gründung unserer Notenbank haben wir in unserer Demokratie vertrauensvoll darauf gebaut, dass unser Geldsystem in Privaten Händen besser aufgehoben sei:

Zitat aus der Homepage der Schweizerischen Nationalbank (siehe http://www.snb.ch/d/snb/aufbau/aufbau.html).

Die Zentralbank ist die einzige Institution, die autonom neues Geld schaffen kann. Da sie eine öffentliche Aufgabe erfüllt, muss sie der Aufsicht der politischen Behörden unterstehen. Diese Aufsicht sollte jedoch nicht zu einer direkten Unterstellung unter die politischen Instanzen führen, da sonst die Gefahr bestehen würde, dass die Zentralbank zur direkten oder indirekten Finanzierung öffentlicher Ausgaben missbraucht wird. Die Erfahrungen zahlreicher Länder zeigen, dass diese Gefahr nicht nur theoretischer Natur ist. Der schweizerische Gesetzgeber hat daher dem Noteninstitut eine grössere Unabhängigkeit im staatspolitischen Gefüge gewährt."

Unsere Grossväter hätten nicht gedacht, dass die Privaten, welche für die Geldsteuerung zuständig sind, das Geldsystem zu ihren eigenen Zwecken missbrauchen könnten. Von unseren politischen Instanzen hätten sie dies jedoch vermutet.
Die jüngsten Erfahrungen müssten deutlich zeigen, dass wir uns eventuell getäuscht haben.

Dass wir nun wegen Staatsverschuldung überall Kosten sparen und die Demokratie abbauen durch Fusionen ist eine
Folge dieser Fehlentwicklung und müsste korrigiert werden - bevor es zu spät ist und Leute wie Walter Wittmann den Politikfrust unserer Gesellschaft zur Verbreitung des Feudalismus ausgenützt haben.

Heute wird die Notenbank zur Geldschöpfung kaum mehr gebraucht. Durch derivative Finanztransaktionen, durch Leasing und durch Plastikgeld (Computergeld) wird viel Geld geschöpft, ohne dass dies im Einflussbereich der Notenbank ist. Deshalb und nur deshalb mussten die Notenbanken in den vergangenen zehn Jahren immer mehr kapitulieren und konnten die Konjunktur über die Zinsen nicht mehr beeinflussen.

Das Geldsystem hat sich klammheimlich privatisiert, während wir noch immer an unsere Institutionen geglaubt haben. Alleine was Grosskonzerne (VW, Siemens usw.) durch Leasing an Geld schöpfen ist gewaltig. Deshalb brauchen Konzerne keine Notenbanken mehr und sind für die Globalisierung bestens gerüstet. Sie sind die Gelddrucker der Zukunft und verrichten seit Jahren unerkannt ihr Werk.

Diese Entwicklung führt direkt in die Access-Gesellschaft, wie Jeremy Rifkin dies in seinem Buch "Access" beschrieben hat. Er beschreibt in erschreckender Präzision, wie in Zukunft nur noch 20% der Menschen besitzen werden, die anderen haben nur noch Zugriff auf Produkte und Informationen. Was er nicht deutlich beschreibt oder explizit festhält, ist die Tatsache, dass er eigentlich eine beinahe schon heute real existierende Situation schildert, welcher in der Schweiz nur noch die direkte Demokratie und der Umstand, dass wir nicht in der EU sind im Wege steht. Noch ist unsere gewerbliche Gesellschaft mit ihren KMU-Betrieben in Takt. Wir waren jedoch mit den Fusionen und der New Economy auf dem Besten Weg, den Nutzenmaximieren den Gar aus zu machen.

Wir können alles noch korrigieren - wir müssen aber schnell und bedacht handeln. Dazu müssen wir uns auf Veränderungen im Geldsystem, statt auf Staatsabbau und Privatisierung konzentrieren. Es könnte durchaus sein, dass der Sonderfall Schweiz derjenige sein wird, der dem übrigen Europa die Augen öffnet. Die Globalisierung fand nämlich primär im Geldsystem, und weniger in der realen Wirtschaft statt.

Auch müssen wir aufpassen, dass wir nicht auf das Bankensystem schiessen. Die im Hintergrund agierenden Feudalisten sind die Täter. Machen wir die Banken zur Zielscheibe, schiessen wir auf uns selbst !!!

Muri Ivo
Unternehmer
Glockenstrasse 1
CH-6210 Sursee